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Von Durchhalten und Akzeptanz

Ich weiß, ich habe mich lange nicht gemeldet.

 

Zu aller erst: Ich hoffe, es geht auch okay. Sicherlich nicht super gut und vielleicht nicht einmal okay, aber wenigstens liest du gerade meinen Beitrag und das ist auch viel wert ;)

 

 

 

Ich habe in letzter Zeit einige Artikel angefangen zu schreiben, umgeschrieben, aber letztendlich doch wieder gelöscht.

 

Ich war mir unsicher, was ich teilen kann und was nicht. Worüber ich schreiben kann und worüber nicht. Ich will, wenn ich etwas poste, ehrlich sein. So bin ich. Es gibt genug Leute, die nur berichten, wenn alles super gut läuft.

 

Ich habe einige negative Kommentare zu meinem letzten Beitrag erhalten, woraufhin ich einen Großteil gelöscht habe. Es ging darum, was man nicht zu einem verletzten Athleten sagen sollte. Ich wollte damit niemanden beleidigen, sondern lediglich Denkanstöße geben.

 

Das hier ist mein Blog und ich schreibe darüber, wie ich Situationen wahrnehme. Ich möchte nicht, dass sich irgendjemand schlecht fühlt, wenn er meine Beiträge liest, dennoch will ich zum Ausdruck bringen, wie ich mich fühle. Vielleicht kann sich jemand in meine Situation hinein zu versetzen oder befindet sich auch in einer ähnlichen Situation und dann tut es gut zu wissen, dass man nicht alleine ist.

 

Nachdem ich die Diagnose „Ermüdungsbruch Pelvis“ bekam und der Arzt auch noch kommentierte: Ja, das habe ich auch noch nicht bei einem so jungen Athletin gesehen, habe ich mich wirklich hilflos gefühlt. Hilflos, allein und depressiv.

 

Ich hatte Schwierigkeiten morgens aufzustehen. Wozu? Ich hatte nichts, wirklich nichts, was mir Freude bereitete oder auf das ich mich freute.

 

Meine Mama buchte aber einen Flug, um über Spring Break herzukommen. Ich fokussierte mich seitdem auf diesen Tag. Ich begann auch wieder, jeden Morgen schwimmen zu gehen, was meiner Stimmung sehr half. Nur 30min im Wasser und mein Tag war so viel besser.

 

Meine Mama war über Spring Break hier und obwohl ich die ersten Tage krank war, verbrachten wir eine gute Zeit gemeinsam.

 

Wir waren am Strand, haben Seekühe im Blue Springs State Park gesehen, und sind durch Downtown geschlendert.

Ja, das ist momentan unvorstellbar. Noch eine Woche nach Spring Break hatten wir normal Unterricht bis wir dann letztendlich zu online Kursen übergingen.

 

Ich sah noch einmal den Arzt, der mich nicht wirklich ernst nahm und nur meinte: Naja, wenn du keine Schmerzen hast, kannst du alles wieder machen. Ohne Röntgen. Ohne MRT. Natürlich hatte ich keine Schmerzen. Ich hatte für 6 Wochen wirklich nichts mit meinen Beinen gemacht!

 

Nach und nach schlossen nun auch hier die Fitnessstudios und der Pool. Und ich komme damit klar. Noch vor ein paar Monaten wäre ich verrückt geworden. Nicht auszudenken, was mein Kopf mir während meiner Essstörung erzählt hätte. Gerade jetzt merke ich, dass ich es wirklich zu 90% hinter mir gelassen habe. Ich kann alles essen, auch wenn ich keinen Sport mache. Ich schaue nicht mehr in den Spiegel und würde am liebsten losheulen. Nein, die Zeiten sind vorbei.

 

Ich gehe täglich spazieren und mache im Haus Kraft- und Athletiktraining. Nie hätte ich gedacht, dass ich mich jeden Tag so auf das Spazierengehen freuen würde. Natürlich bin ich nicht mehr fit und habe zugenommen. Das ist okay. Es wird nicht für immer so sein. Ich komme zurück, aber eben nicht genau jetzt. Jetzt ist es okay, länger im Bett liegen zu bleiben und einfach zu machen, was man will. Solange man im Haus oder von anderen fern bleibt, natürlich.

 

Es gibt wichtigeres als Fitness und Sport.

 

Das musste ich auf die harte Tour lernen. Durch meine Verletzung habe ich etwas wichtiges wieder erlernt: AKZEPTANZ.

 

Ich kann Veränderungen akzeptieren, ich kann unkontrollierbare Situationen akzeptieren und ich kann mich selbst akzeptieren.

 

Ich lese gerade das Buch “Rebound” from Carrie Jackson Cheadle and Cindy Kuzma (2019).

 

Jeder Sportler, ob verletzt oder nicht, sollte es lesen!

 

Ich verstehe endlich, was passiert ist. Ich habe getrauert. Klingt vielleicht komisch, aber lasst es mich erklären. Es ist, aus meiner Sicht, fast der gleiche für eine Essstörung wie für eine Verletzung. In dem Buch ist der Prozess klasse erklärt.

 

1.     Verleugnung: Man streitet alles ab. Die Schmerzen sind nicht so schlimm, man ist nicht zu dünn und so weiter.

 

2.     Wut: Man ist wütend auf alle und jeden. Auf sich, die Verletzung, Leute, die dich auf dein Untergewicht ansprechen.

 

3.     Verhandeln: Man geht Kompromisse ein. Für mich hieß das: Okay, du nimmst xxkg zu, aber nicht mehr. Du läufst zwar nicht mehr, aber dafür kannst du stundenlang Radfahren und Schwimmen. Ich sage euch: Verhandlungen sind weder eine Lösung eine Essstörung zu überwinden, noch um eine Verletzung auszukurieren.

 

4.     Depression: Dazu habe ich ja schon oben einiges geschrieben.

 

5.     Akzeptanz: Und das ist nun wirklich eine Erleichterung nach all den Wochen, Monaten und sogar Jahren, die man in den vorherigen Stufen festhing. Ich habe immer noch „schlechte“ Tage, aber auch die habe ich gelernt, zu akzeptieren.

 

Ich bin stolz auf das, was ich erreicht habe, weil es wirklich viel braucht, um hier hin zu gelangen. I freue mich nun auf das, was kommt…darauf, wenn die Welt wieder etwas normaler ist, ich meine Familie wiedersehe und ich endlich wieder laufen kann!

 

 

 

In welcher Phase des Prozesses du dich auch gerade befinden magst:

 

Halte durch. Bleibe stark. Pass auf dich auf.

 

Und vergiss nicht: Es ist nichts Endgültiges. Es geht alles vorbei.

 

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