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Was ich in den 4 Jahren hier gelernt habe

 

Es ist etwas Zeit (mehr als ein Jahr) vergangen seit ich das letzte Mal hier gepostet habe. Die Zeit vergeht echt so schnell. Ich laufe nicht mehr wirklich und bin ehrlich gesagt das ganze letzte Jahr nicht gelaufen, aber das ist in Ordnung. Alles hat seine Zeit. Aber ohne laufen, wäre ich nie in die USA gekommen. Einige Dinge ende, damit wir etwas neues beginnen können.

 

 

 

Ich habe meinen Bachelor of Science (in Chemie und Gesundheitswissenschaften) im Mai abgeschlossen und werde im August mein Masterstudium in Mental Health Counseling hier bei Stetson beginnen, was ohne die Unterstützung meiner tollen Eltern nicht möglich wäre. Ich schätze mich wirklich sehr glücklich.

 

 

 

In den letzten vier Jahre wollte ich so oft aufhören, nach Hause fliegen und den einfachen Weg nehmen. Aber ich bin froh, dass ich es nicht gemacht habe und noch hier bin. Rückblickend bin ich dankbar für alle Erfahrungen, wie schmerzhaft sie während der Zeit auch gewesen sind. Wir lernen und wachsen am meisten von den unangenehmen Situation. Ich zumindest wäre nicht die, die ich heute bin ohne meine Zeit hier in den USA.

 

 

 

Ich hatte meinem Coach eine Email geschrieben und mich für alles bedankt und habe es auch so gemeint. Er hatte mir letztendlich die Möglichkeit gegeben, in die USA zu kommen und für Stetson zu laufen.

 

Er schrieb zurück, dass College die Zeit für Wachstum sei und alle denken, es wäre einfach, aber dass es so eben nicht ist. Das wichtigste sei, dass ich nun positiv über meine Zukunft sei.

 

Ja, er hat vollkommen recht. Ich bin sehr positiv über meinen nächsten Schritt im Leben, aber ich habe nie gedacht, es würde einfach sein. Ich war mir vollkommen bewusst, dass das Studium stressig und anstrengend sein würde. Doch ich habe unterschätzt, was auf mich zukam und einige Dinge, waren einfach unnötig, Ich habe mich selbst so unter Druck gesetzt. Ich hätte mich öfter fragen sollen, ob das, was mich stresst, in ein oder fünf Jahren wirklich noch von Bedeutung ist.

 

 

Ich will ein paar Dinge teilen, die ich bislang nicht öffentlich gemacht hatte. Meine Intention ist nicht, irgendjemandem Schuld zu geben, aber andere darauf aufmerksam zu machen, dass man nicht alles akzeptieren muss.

 

 

 

In meinem ersten Jahr hier war ich sehr untergewichtig. Tatsache. Wie auch immer, ich würde mehr oder weniger dazu gezwungen, jeden Tag gewogen zu werden. Das war einfach nicht okay und natürlich auch nicht hilfreich eine Essstörung zu verbessern. Ganz und gar nicht. Ich hoffe, Unis sind in Zukunft besser geschult, wie damit umgegangen werden muss.

 

 

 

Später habe ich von mir aus eingesehen, dass ich ein Problem hatte und auch angefangen einen Counselor auf dem Campus zu sehen. Mein Essverhalten wurde etwas besser, aber meine Lust am Laufen ging irgendwie verloren. Auf dem Weg zu einem Wettkampf in meinem 3. Jahr saß ich im Van und wollte einfach nur nach Hause. Jeden Morgen musste ich mich wirklich aufraffen um zum Training zu gehen.

 

Wisst ihr, was ganz zuverlässig die Motivation jedes noch so ehrgeizigen Sportlers schwinden lässt?

 

Fehlender Respekt und fehlende Wertschätzung.

 

 

 

In meinem 3. Jahr hier entschied der Coach, dass der neue Assistenzcoach doch das Frauenteam übernehmen könnte. Eine komplette Saison wurden wir also quasi von dem 23-jährigen Assistenzcoach trainiert. Es war einfach nur unorganisiert und es fand keinerlei Kommunikation statt. Einmal vergaß er, genügend Leute zum Fahren zu organisieren und bat daher eine meiner Teamkameradinnen doch im Kofferraum zu sitzen. Ich konnte es nicht fassen und sagte ihm, dass das doch nicht ginge.

 

Der Coach meinte, wir sollten doch bitte dem Assistenzcoach helfen. Aber ich war nicht hier um dem Coach zu helfen, ich wollte besser werden und wurde von Mal zu Mal genervter. Ich habe immer angesprochen, wenn etwas nicht lief und das nunja ist nicht so gerne gesehen.

 

 

 

Nach unserem Konferenz Rennen nach 8h Autofahrt fragte mein Coach mich auf dem Parkplatz, was ich denn überhaupt noch hier am Laufen mag. Ich hatte ehrlich gesagt keine Antwort. Ich war müde, hatte kein gutes Rennen, unser Team bestand quasi nur aus 5 Mädels und wir wurden von besagtem Assistantcoach trainiert. Er sagte mir, ich solle doch darüber nachdenken, die Uni für mein letztes Jahr zu wechseln.

 

Ich war fassungslos, aber er wollte mich wirklich los werden. Die folgenden Wochen waren schrecklich. In einem Meeting stand er nach 3min auf und brüllte mich an, dass ich ja sowieso nie zuhören würde und man nicht mit mir reden könne.

 

 

 

Eine Woche später hatte ich nach einem langen Lauf Schmerzen in der Hüfte und konnte am darauffolgenden Tempotraining nicht mal mehr ohne Schmerzen gehen. Aber ich wurde einfach am Rand des Stadions stehen gelassen und ignoriert. Für 2 Monate wurde mir erzählt, der Muskel sei gezerrt bis ich endlich selber einen Termin für ein MRT buchte und es sich herausstellte, dass ich einen Ermüdungsbruch in der Hüfte hatte.

 

 

 

Was ich sagen will:

 

Man muss für sich selber einstehen, d es niemand anderes macht. Wenn man Schmerzen hat, kann man nicht trainieren, egal was der Coach sagt.

 

Außerdem, macht euch für andere stark. Als Freshman hätte ich jemanden gebraucht, der mir hilft. Selbst wenn man die Situation nicht direkt verbessern kann, hilft es, den anderen Raum zum Reden zu geben und einfach ohne Verurteilung oder kluge Ratschläge (außer man wird danach direkt gefragt) zu zuhören.

 

 

 

 

 

Momentan, fahre ich nur zum Spaß Rad und habe nicht wirklich das Bedürfnis für Rennen zu trainieren. Es gibt wichtigere Dinge im Leben.

 

Aber ich bin nun Ambassador für die Go4Graham Foundation, welche über Mental Health aufklären will und Vorurteile bezüglich mentale Erkrankungen verringern will. Ich freue mich sehr, Teil des Teams zu sein.

 

 

 

Passt auf euch auf!

 

 

 

Meggie

 

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Heike Voigt (Dienstag, 15 Juni 2021 21:45)

    Liebe Meggie,
    Ich wusste ja schon einiges, aber das übertrifft es sicherlich noch. Hut ab, Klasse geschrieben und toll, dass du es geschafft hast. Ich weiß leider aus eigener Erfahrung, dass das Leben oft kein Ponyhof ist.
    Ich wünsche dir vom ganzen Herzen alles Gute
    Deine Heike